Gems / Edelsteine – eine kleine Anleitung

Auf vielfache Bitten und Nachfragen möchte ich dem Besucher meiner Kunstkramkiste heute eine kleine Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Zeichnen von Gems / Edelsteinen an die Hand geben. Bevor ich jedoch damit beginne, sind einige Vorbemerkungen wichtig, die zum Gelingen der Zeichnung beitragen sollen. Ich habe für die Farbgestaltung Polychromos-Farbstifte von Faber Castell verwendet. Diese Stifte gibt es in einer großen Farbvielfalt, besitzen eine wunderbar weiche Pigmentierung und die Farben lassen sich untereinander gut mischen, was wichtig ist, wenn man zum Beispiel opalisierende Steine zeichnen möchte. Außerdem lassen sich die Pigmente gut mit dem Papierwischer bzw. Estompen verteilen. Auch dieses Hilfsmittel ist unabdingbar für das Gelingen der Steine. Nach jeder Farbschicht, die ich aufgetragen habe, habe ich diese grundsätzlich mit dem Papierwischer „weichgezeichnet“ und geglättet – je nach Papierqualität entsteht so eine entweder sehr glatte Oberfläche (siehe auch mein letzter Beitrag) oder der Stein nimmt die Papierstruktur an. Entsprechend der eigenen Gestaltungsabsicht sollte also auch auf die Papierwahl geachtet werden. Statt eines Papierwischers kann man auch einen weißen Farbstift verwenden. Für die weichen Lichtreflexe am oberen und unteren Rand benutzte ich einen Radierstift (Tombow Mono Zero Ultra-Fine 2,3mm), der ähnlich wie ein Druckbleistift funktioniert, und für die starken Lichtreflexe einen weißen Hybrid-Gelroller 1,0mm.

Gerade Halbedelsteine zeichnen sich durch kleine Einschlüsse, Maserungen oder gar Marmorierungen aus. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Aus diesem Grund habe ich meine Anleitungen in insgesamt 9 Schritten erstellt und drei verschiedene Steine gestaltet. Am Beispiel des Steines A erkläre ich die einzelnen Schritte. Beispiele B und C habe ich entsprechend der Arbeitsschritte nummeriert. Für die fertige Zeichnung mit Fassung und die Gestaltung rund um den Stein verwendete ich Eco-Pigmentliner 0,1 von Faber Castell.

Stein A

SB_TutorialGemsA_18062016

SB_TutorialGems01_18062016Schritt 1:

Zeichne mit einem Pigmentliner die äußere Form des Steines.

Schritt 2:

Wähle dir drei Farben, in denen dein Stein erstrahlen soll. Nimm die hellste der drei Farben und grundiere ganz zart. Verwische diese Fläche mit dem Papierwischer. (Anmerkung: Dieses Verwischen habe ich nach dem Auftragen jeder Farbschicht durchgeführt, sodass ich das in den kommenden Arbeitsschritten nicht wiederholen werde.)

Schritt 3:

Nimm die nächstdunklere Farbe und lege diese Farbschicht so über die erste, dass im unteren Drittel des Steines die Farbschicht darunter unangetastet bleibt. Achte beim Verwischen darauf, dass sich ein fließender Farbübergang entwickelt.

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Schritt 4:

Wiederhole Schritt 3 nun mit der dunklen Farbe, wobei auch hier von der zweiten Farbe ein Bereich um die erste Farbe unangetastet bleiben soll.

Schritt 5 und 6:

Wiederhole die Arbeitsschritte 3 und 4 bis zur gewünschten Farbintensität. Vergiss das Verwischen nicht und achte darauf, dass die Farben zum Rand des Steines dunkler werden.SB_TutorialGems03_18062016

Schritt 7:

Lege nun mit einem sehr spitzen Buntstift die Einschlüsse, Maserungen oder Marmorierungen des Steines an, wenn du das wünschst. Verwische, denn so rückt diese Struktur optisch in das Innere des Steins.

Schritt 8:

Mit der dunkelsten Farbe kannst du die Struktur noch betonen. Ich nehme dafür auch gern einmal einen sehr spitzen schwarzen Farbstift, wenn der Stein eher dunkel ist. Verwische und erst dann legst du nun mit dem Radierstift die weichen Lichtreflexe am oberen und unteren Rand des Steines an, wobei der untere Lichtstreifen sehr nah am Rand sein sollte. Mit einem weißen Gelroller kannst du jetzt die Starke Lichtspiegelung auf die Oberfläche des Steines zeichnen. Durch Unterbrechungen der Spiegelung wirkt das authentischer. Auch im unteren Bereich können durchaus kleine Spiegelungen eingezeichnet werden.

Schritt 9:

Mit dem schwarzen Farbstift kannst du nun den Stein am Rand vorsichtig schattieren, sodass eine Raumillusion entsteht und der Stein an Tiefe gewinnt.

 

Der Stein an sich ist nun fertig, sieht aber noch recht langweilig aus. Und so wie im richtigen Leben wird er durch die richtige Fassung veredelt. Wir haben auf dem Papier dann noch die Möglichkeit, die Umgebung zu gestalten. Beachte, dass der Stein ein Körper ist und entsprechend einen Schatten wirft. Nutze für das Schattieren auch deine Farbstifte, die du für den Stein verwendet hast. Dadurch wirkt dieser leicht durchsichtig . Ich mische hier fast immer den Bleistift, den ich zum Schattieren des gesamten Bildes verwende, mit der Farbe des Steines.

SB_TutorialGemsA_Beispiel_18062016

 

Stein B und C

Farbwahl Stein B

Farbwahl Stein B

Farbwahl Stein C

Farbwahl Stein C

SB_TutorialGems01BC_18062016SB_TutorialGems02BC_18062016SB_TutorialGems03BC_18062016

SB_TutorialGemsB_Beispiel_18062016

SB_TutorialGemsC_Beispiel_18062016

Ich wünsche viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren, Nachmachen und Experimentieren.

Duotangle: Diva Dance + Crescent Moon

Kaum zu glauben, dass laut Kalender noch Winter ist. Wir haben hier bereits fast schon sommerlicher Tagestemperaturen, auch wenn es in der Nacht noch empfindlich kalt ist. Die Haut und die Seele genießen die Sonne. Und so bleiben nur die Abende, um zu den Stiften zu greifen. So sind auch nur zwei kleine Zeichnungen in Postkartengröße entstanden. Die erste Kritzelei zeichnete ich quasi nebenbei auf Bristol-Papier, während ich ausgiebigst telefonierte. Sie entspricht der dieswöchigen Challenge der Diva, in der man die beiden Muster Diva Dance und Crescent Moon in einem sogenannten Duotangle vereinen sollte. In dieser Zeichnung probierte ich gleich auch ein neues Sortiment von hochwertigen Bleistiften von KOH-I-NOOR aus, welches mir meine liebe Freundin Ina schenkte. Ein dickes Dankeschön nochmal. Diese Bleistifte haben einen etwas festeren Grafitauftrag, als die Mars Lumograph von Staedtler. Das erlaubt ein sehr präzises Zeichnen, allerdings wird das Verwischen mit dem Estompen etwas schwieriger.

©SimoneBischoff_Diva158_11032014

Die zweite Zeichnung entstand nebenbei, um einfach meine Finger zu beschäftigen, die ich nunmal nie stillhalten kann. Bereits als kleines Mädchen kannte ich keine Langeweile. Es entstand immer irgendetwas, ob nun Handarbeiten oder eben Zeichnungen, wenn ich nicht gerade meine Nase in dicke Bücher steckte (eine weitere meiner Leidenschaften). Auch diese Zeichnung entspricht etwa dem A6-Format. Verwendet habe ich etwas strukturierteres, festes Zeichenpapier – ein Rest, der dringend danach verlangte, nicht mehr nur in langweiligem Weiß darauf zu warten, dass sich ein Stift seiner erbarme. Durch die rauhe Oberfläche sind die Schattierungen viel intensiver, aber auch grobkörniger geworden.

©SimoneBischoff_oT_11032014

Kleine Linienspielerei

Nur 11,5 x 11,5 cm groß ist diese kleine Linienspielerei, die ich hier heute zeige.  ich hatte noch einen Rest seidenmattes Fotopapier übrig, den ich einfach nicht wegwerfen konnte. Diese edle Oberfläche und das strahlende Weiß reizten mich, darauf mit meinem Rotring Rapidographen zu zeichnen. Entsprechend filigran sind die Linien und der Kontrast zwischen der hochweißen Oberfläche und dem Tiefschwarz der Tusche sehr kräftig. Allerdings gestaltete sich das Zeichnen sehr schwierig. Fotopapier besitzt eine Oberflächenbeschichtung, die durch die Metallspitze des Rapidographen immer wieder aufgekratzt wurde, sodass diese feine Kanüle entsprechend ständig verstopfte und von mir vorsichtig gereinigt werden musste. Die Erfahrung war es wert und so habe ich gelernt, das nächste Mal für einen solchen Zeichengrund doch wieder zu den bewährten Tuschestiften zu greifen oder Feder und Tusche zu verwenden.

©SimoneBischoff_Linienspielerei_09082013

Mit Feder und Tusche – Herz-Stücke

Siena ist nicht nur eine Stadt in der italienischen Toskana. Dort findet man eine Erde, aus der Pigmente in goldocker bis rotocker Farbtönen gewonnen wird. Gebrannt entsteht ein rotoranger bis rotbrauner Farbton, den man als Tusche erwerben kann. Diese habe ich nun nach langer Zeit zusammen mit Federhalter und Zeichenfeder ausgegraben und die folgenden beiden Bilder im Postkartenformat gezeichnet. Bei einem Pigmenttuschestift hinterlässt man einen in Farbton und Strichstärke gleichmäßigen Strich auf dem Papier. Mit Feder und Tusche gezeichnet ergeben sich kleine und nicht uninteressante Farbabstufungen und selbst die Strichstärke zeigt die ein oder andere kleine Abweichung. Ich empfinde daher Tuschezeichnungen lebendiger und lockerer, als die mit Stiften gezeichneten.

Ich habe meinen ersten Versuch an die Wochenaufgabe Nr.130 der Diva gekoppelt, bei der das Muster Henna-Drum verwendet werden sollte. Bei beiden Zeichnungen habe ich das Herz als Grundform verwendet und beide mit schönen Sprüchen verbunden – „Herz-Stücke“ eben.

©SimoneBischoff_Diva130_Herzstuecke01_07082013

©SimoneBischoff_Herzstuecke02_07082013

Zeichnen auf Papier mit Leinenstruktur

Vor einigen Tagen kaufte ich mir Papier mit Leinenstruktur. Heute nun bin ich endlich dazugekommen, eine kleine Kritzelei zu versuchen, um die materialeigenschaften auszuloten. Zum einen gleitet der Tuschestift nicht so gut, wie bei der Verwendung von Papier mit glatter Oberfläche, aber das ist nicht weiter tragisch. Das Ausmalen von kleinen Flächen ist ebenfalls etwas mühseliger. Was mich am meisten faszinierte, war die Wirkung des Graphits beim Schattieren. Ich habe ganz bewusst nicht zum Papierwischer gegriffen, denn gerade durch die Grautöne wird die Papierstruktur ganz besonders schön hervorgehoben.

Insgesamt wirkt diese Zeichnung sehr edel. Ich werde sie unserem Nachbar schenken gerade in dieser Zeit, in der die Menschen zusammenrücken. Er hat vor wenigen Wochen sehr plötzlich seine langjährige Frau verloren und macht zurzeit einen etwas verlorenen Eindruck auf mich. Vielleicht kann ich ihm dadurch ein kleines Licht in den Tag zaubern.