14. Bundesweiter Vorlesetag der Stiftung Lesen am 17.11.2017

 

Morgen ist es nun soweit. Zum ersten Mal wurde ich darum gebeten, an dem jährlich stattfindenden Vorlesetag, der bundesweit stattfindet und von der Stiftung Lesen, Die Zeit und der Deutschen Bahn Stiftung initiiert wird, einmal nicht nur mit Kindern als Gast teilzunehmen, sondern selbst als Vorleserin zu agieren. Es wird mir eine große Ehre sein, am morgigen Vormittag zusammen mit einigen anderen Vorlesern im Gustav-Heinemann-Jugendbibliothekszentrum Essen/Schonnebeck junge Zuhörer und Zuhörerinnen mit dem gelesenen Wort in eine ganz neue Welt – der Welt des Kinderbuches – zu entführen.

Aber warum ist Vorlesen so wichtig? Was macht es mit dem Vorleser und dem Zuhörer?

In meinem täglichen Umgang mit Kindern und Jugendlichen als Deutschlehrerin habe ich festgestellt, dass Kinder, die wirklich gern lesen und für die ein Buch zum Lebensalltag gehört, immer seltener werden. Auf meine Bitte, doch einmal das Lieblingsbuch mitzubringen, höre ich dann oft: „Wir haben gar keine Bücher.“ oder „Ich lese nicht. Ich spiele lieber mit Playstation, Smartphone oder ähnlichem.“ Diese Entwicklung ist erschreckend, denn durch mangelnde Lesekompetenzen leiden auch die Schreibkompetenzen. Das immer wieder gelesene Wort prägt sich ein. Der Wortschatz wird angereichert und das Gefühl für „gute Sprache“ entwickelt sich. Wie aber sollen Kinder Freude am Lesen bekommen, wenn sie doch kaum gute Bücher in den Händen halten? Sicherlich, da gibt es die Schulbücher und als Deutschlehrer bemüht man sich durchaus, als Ganzschrift ein Buch auszuwählen, mit dem man möglichst viele Kinder erreicht. Aber das eigene Buch, das man sich vielleicht sogar selbst aussuchen durfte, ist schon etwas Besonderes. Dieses Bedürfnis nach dem eigenen Buch aber muss geweckt werden. Und hier kommen Mama, Papa, Oma und Opa ins Spiel. Sie sind nicht nur diejenigen, die die Lektüre finanzieren, sondern eben auch das erste Bindeglied zwischen Kind und Buch noch ehe erste eigene Leseerfahrungen gemacht werden. Jeden Tag ein paar Minuten Zeit zu finden, um Töchterchen oder Söhnchen eine kleine Geschichte vorzulesen, vielleicht als Gute-Nacht-Geschichte, um den Weg ins Traumland zu ebnen, macht nicht nur Spaß, sondern es schafft eine besondere Art der Nähe. Wie gerne erinnere ich mich an die Zeit, als meine Kinder klein waren. Vorlesen war unser allabendliches Ritual, solange sie noch nicht selbst lesen konnten. Mit Worten und der Stimme kann man so den kleinen Zuhörer an die Hand nehmen und in die Buchstabenwelten entführen, die so aufregend, spannend und ganz anders als der Alltag sind. Selbst größere Kinder lassen sich so noch gern in Geschichtenwelten entführen. Getragen von der Stimme, die, wenn gut vorgelesen wird, auch das Wesen der Protagonisten spiegelt (Ein guter Vorleser ist ein ganz kleines bisschen auch Schauspieler.), haben Kinder die zauberhafte Eigenart, ganz in die Handlung einzutauchen, sich mit dem Helden oder der Heldin zu identifizieren und dem Bösewicht den Kampf anzusagen. Und da eine gute Geschichte, ein gutes Buch auch immer eine Botschaft in sich trägt, lernen die Kinder so auch, mit Problemen umzugehen und die Welt einmal auf eine andere Art zu sehen.

Und es gibt nichts schöneres, als am Ende einer Geschichte in Kindergesichter zu schauen, deren Wangen gerötet sind, deren Augen verträumt glänzen und die fragen: „Und wie geht die Geschichte weiter?“

Ich freue mich auf euch morgen zum bundesweiten Vorlesetag.

Eure Simone Bischoff

 

 

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Published in: on 16. November 2017 at 18:11  Comments (2)  
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