Grafik in Sepia

Nach langer Zeit habe ich meine Sepiastifte wieder einmal ausgegraben. Sepia ist ein Farbstoff, den uns der Tintenfisch liefert. Genutzt wird er nicht nur zum Zeichnen, sondern auch zum Färben von Lebensmitteln (Nudeln zum Beispiel). Der Farbton schwankt zwischen einem Braunschwarz und dunklem Graubraun. Ich habe festgestellt, dass die Linien durch diesen Farbstoff weicher wirken, denn der Kontrast zum weißen Hintergrund ist nicht so hart wie bei der Verwenung schwarzer Stifte. Allerdings sollte ich vielleicht zum Schattieren das nächste Mal einen braunen Buntstift verwenden, denn das Grau des Grafits ist zwar geeignet, scheint mir aber farblich nicht so recht passend.

Tusche und Grafit auf weißem Zeichenpapier (9×9)

Einen Bogen spannen

Diese Grafik besteht lediglich aus Kugeln und Bögen, die sich zwischen ihnen spannen. Zum Colorieren habe ich meine Aquarellstifte verwendet. Ich liebe die Leuchtkraft dieser Farben. Diese Leuchtkraft rührt daher, dass die aus Pigmenten und Bindemittel (in der Regel Gummi Arabicum, da es wasserlöslich und durchsichtig ist) bestehenden Farben nicht gestreckt werden, also quasi pur verwendet werden. Bei Aquarellstiften sollte man die Farben sparsam auftragen, denn sie entwickeln ihre wahre Leuchtkraft erst in Verbindung mit Wasser. Übrigens, wenn man dem Wasser Seife beimischt, trocknet die Farbe nicht so schnell auf dem Papier und die Bläschen können eine interessante Struktur ergeben. Nimmt man als Lösungsmittel reinen oder mit Wasser verdünnten Alkohol, trocknet die Farbe durch die Flüchtigkeit des Alkohols sehr schnell und es entstehen dadurch oft harte Strukturen. Es lohnt sich, mit Aquarellfarben zu experimentieren, denn durch das Übereinanderlegen der Farben, den Einsatz von Wasser auf unterschiedlichste Art oder auch durch das Vermischen der Farben entstehen mitunter unvorhersehbare Momente auf dem Papier, auf die man wieder reagieren kann.

Gespannte Bögen

Gespannte Bögen – coloriert

Coloration mit Rötelkreide

Diese Grafik entstand mit dem Vorsatz, mich an Colorationsmöglichkeiten heranzuwagen. Da für mich Farben und auch Materialien immer auch etwas mit meinem Fühlen zu tun haben, entschied ich mich ganz spontan für Rötel in einem hellen Farbton. Rötel ist ein Zeichenmaterial, das aus Ton und je nach Farbwunsch der Zugabe von Mineralien  hergestellt wird. Aus diesem Grund zählt man Rötel zu den mineralischen Farbstoffen. Leonardo da Vinci skizzierte unter anderem sehr gern mit diesem schönen Material. Am bekanntesten ist sicherlich sein Selbstportrait aus dem Jahre 1512, das ihn in hohem Alter zeigt. Allerdings wird angezweifelt, ob es sich dabei wirklich um ein Selbstbildnis handelt. Man vermutet eher, dass da Vinci hier seinen Großvater zeichnete. In dem Jahr der Entstehung war der Künstler 60 Jahre alt. Kluge Kunstanalytiker jedoch sind der Meinung, dass das Portait einen ca. 80jährigen Mann zeige, der sich durch die Ähnlichkeiten mit dem Künstler als engen Verwandten auszeichnet. Da Vinci selbst erreichte nie dieses hohe Alter. – Aber egal, seine Darstellung ist brilliant.


Ich mag die warmen roten bis rotbraunen Erdtöne des Rötels sehr. Und an einem Tag wie heute, an dem man die aufbrechende, frische Erde riechen konnte, wählte ich rein intuitiv dieses Material, um mein Zentangle zu colorieren. Der erdige Farbton nahm dem starken und recht harten Kontrast zwischen dem weißen Papier und den schwarzen Linien und Flächen die Intensität, wirkte wie ein Weichzeichner und eignete sich außerdem hervorragen zum Schattieren. Inzwischen bekommt man im Handel Rötel in Stiftform, was ein sauberes Arbeiten garantiert. ich empfehle allerdings, sich beim Colorieren ein Blatt Papier dort auf die Zeichnung zu legen, wo der Handballen gelegentlich aufliegt. Das verhindert das Verwischen der Kreide. Abschließendes Fixieren der entstandenen Arbeit sollte nicht versäumt werden, um dem Bild eine lange Lebensdauer zu schenken.